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Eindrücke des Fit After Eight Kurses

Doppelmodul 1 & 2

Doppelmodul 7 & 8

Bericht zu den Fit After Eight Kursen

Dr. med. Sâra Aytaç - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen, Assistenzärztin in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Warum haben Sie die Fit After Eight Kurse absolviert?
Der stetige Zuwachs an medizinischem Wissen ist immens. Entsprechend kann und muss niemand alles wissen oder alles können. Aber mehr als in jedem anderen Beruf gilt es in dem des Arztes zum Wohle des Patienten das eigene Wissen und Können realistisch einzuschätzen. Im ärztlichen Alltag bleibt bedauerlicherweise im zunehmenden Ausmaß weniger Zeit für eine gute Ausbildung. Kommt man dann hoffentlich zu der Schlussfolgerung, dass eine Verbesserungsmöglichkeit der eigenen Leistung besteht, stellt sich nicht die Frage, ob sondern nur wie man diese anstrebt. Eine sehr gute Gelegenheit ist dieses Kursformat.

War es schwierig, die Kurse neben Ihrem Berufsalltag wahrzunehmen?
Die Aus- und Weiterbildung des einen darf nicht zu Lasten des anderen Mitarbeiters im laufenden Klinikbetrieb erfolgen. Entsprechend musste ich natürlich Rücksprache mit meinen Kollegen halten, die für den Zeitraum meiner Teilnahme meine Abwesenheit kompensieren mussten. Bei einer erlesenen weil langjährigen Teamarbeit und guter Kollegialität gestaltete sich das jedoch problemlos. Die Freistellung vom Alltag war bei rechtzeitiger Bekanntgabe meiner Teilnahmeabsicht auch reibungslos.

Wie beurteilen Sie den Aufbau der Kurse?
Der Aufbau der Kurse ist der Kern ihrer Attraktivität. Wer sich im Studium und zum Beispiel zur Physikumsvorbereitung gerne in Repetitorien reingesetzt hat, in denen man vier Tage am Stück jeweils zehn Stunden im Frontalunterrichtformat mit Informationen druckbetankt wurde, der wird in dieser Kursstruktur unglücklich. Der Kurs lebt von einer aktiven, kritischen Mitarbeit der einzelnen Teilnehmer.Kaum bis gar kein Frontalunterricht mit stets wichtigem klinischen Bezug und vielmehr die fruchtbare Diskussion von klinischen Fällen anhand von Befundmaterial in einer Gruppe mit 10-15 Teilnehmern sind die Leitstruktur des Kursformats. Die Auseinandersetzung mit der Betrachtungsweise, dem Therapievorschlag und dem ärztlichen Handeln von Kollegen mit unterschiedlichem Ausbildungsstand und klinischer Erfahrung ist in dem Ausmaß sonst bei keinem Kurs möglich. Mir persönlich war das Hinterfragen des eigenen Handelns fast genauso wichtig. Wie rechtfertige ich meinen Kollegen gegenüber, dass ich den Patienten so und nicht anders behandeln will? Ist die Grundlage meiner Entscheidung Eminenz- oder Evidenz based? Interessant war, wie stark die Herangehensweise jedes einzelnen von den Strukturen der Klinik beeinflusst  wird, in der man den Rest des Jahres arbeitet. Dementsprechend reichte das Argumentationsspektrum bei der Diskussion um zum Beispiel den idealen Zeitpunkt einer Operationen von "Wir nehmen alles immer - kann kommen" bis "Jetzt eher nicht, sonst fehlen am nächsten Tag die Siebe."

Welche Inhalte haben Sie besonders interessiert?
Alle Inhalte sind relevant, dankenswerter Weise mit sehr geringer bis gar keiner Redundanz. Interessiert haben mich alle Schwerpunkte, da alle, direkt oder indirekt, eine hohe klinische Relevanz haben.

Haben Sie Inhalte vermisst? Welche?
Im Konsens fiel auf, dass viele sich mehr Entscheidungshilfen im Umgang mit ethischen Fragen wünschen. Das ist natürlich ein unbegrenzt diskutierbarer Inhalt, ist aber insbesondere für den jungen Kollegen in den ersten Jahren seines Wirkens ein alltäglich wichtiger Aspekt, der auch im Studium stets zu kurz kommt. Was zudem von vielen Teilnehmern begierig aufgesogen wurde, sind die juristischen Aspekte des Arztberufs zum Beispiel in Bereichen wie dem Komplikationsmanagement. Hier sind junge Kollegen dankbar, wenn sie vom Erfahrungsschatz eines Chefarztes profitieren dürfen, der wertvolle Hinweise zum Umgang mit prekären Situationen geben kann.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Referenten und Teilnehmern?
Der Dozent hat in diesem Format die Aufgabe, die Erarbeitung eines Thema  zu lenken und etwaige Fragestellungen zu konkretisieren. Natürlich gibt er Hilfestellungen bei inhaltlichen Fragen, aber er hält sich insgesamt zurück. Das steht in keinster Weise im Widerspruch zu den durchweg sehr offenen und diskussionsfreudigen Dozenten. Egal ob in der Kaffeepause oder im Unterricht: Das nächste fachlich wertvolle und menschliche angenehme Gespräch ist nie weit.  Kein Teilnehmer muss sich sorgen, er könne aufgrund seiner noch geringen klinischen Erfahrung die falschen Fragen stellen! Auch jahre- und jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der Unfallchirurgie und Orthopädie bedeutet nicht, dass alle Fragen geklärt sind! Folgerichtig besteht auch zwischen den Dozenten ein lehrreicher Diskussionsbedarf , bei dem jeder seine Meinung vertreten darf und soll.

Profitieren Sie in Ihrer Arbeit von der Teilnahme an Fit After Eight? Inwiefern genau?
Der Effekt der Teilnahme am Kurs ist nicht zu leugnen. Natürlich erleichtert der Gebrauch neuer Klassifikationen die Weitergabe von Informationen an Kollegen. Die im Kurs vermittelten Entscheidungshilfen sind für den klinischen Alltag jedoch sehr viel wertvoller. Eine strukturiertere Herangehensweise an einen verletzten oder erkrankten Menschen bringt eine qualitativ hochwertigeres Versorgungsergebnis mit sich. Nur wer seine eigene Leistung hinterfragt, kann sich verbessern.  Aber auch die Bereitschaft mit Kollegen, insbesondere Vorgesetzten, mögliche Therapieoptionen zu diskutieren, ist deutlich gestiegen. Wer unbequeme Fragen und den Konflikt scheut, sollte grundsätzlich morgens nicht aufstehen und wird nicht von diesem Kurs profitieren.

Wenn Sie nur drei Worte hätten, um die Kurse zu beschreiben - welche Worte wären das?
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